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Überall leuchten die Lichter. Weihnachtslieder klingen durch die Stadt und der Geruch von Glühwein begleitet einem beim Bummel durch die Straßen. Obendrein schneit es hier! Was ich persönlich für eine Frechheit halte. Warum bin ich bitte nach Bielefeld gezogen? Sicher, auch aus partnerschaftlichen Gründen, aber vor allem doch wohl wegen dem Wetter! Also gut, eigentlich ja eher trotz und nicht wegen des Wetters
Es war so schön die Eingeborenen hier immer aufziehen zu können mit Sprüchen wie “Hier erkennt man Sommer und Winter auch nur an der unterschiedlichen Temperatur des Regens”. Und nu? Nix Regen! Nein, Schnee, so richtig weiß und kalt. Vor allem schon seit drei Tagen immer der gleiche Schnee. Also Schnee, der nicht sofort wieder schmilzt, sondern der die Häuser und Gärten wie Puderzucker bestäubt hat und sich tapfer dort hält und mir somit die Grundlage für meinen Winter-Bielefeld-Spott nimmt. Ich bin empört
Allerdings erkennt man die Weihnachtszeit auch eindeutig daran, dass wieder überall um Spenden geworben wird. Da ich ja nun eindeutig ein Verfechter von Spenden vor der eigenen Haustür bin, möchte ich hier wieder einen kleinen Link in Erinnerung rufen, der genau dort ansetzt:
So, und schon bin ich wieder im Vorweihnachtsstreß verschwunden ![]()
Geht es nur mir so und ich bekomme Gänsehaut wenn ich die Diskussion um Gentests an Föten mitbekomme? Auch wenn es “nur” um Föten durch künstliche Befruchtung geht, Gänsehaut hab ich trotzdem.
Es ist nicht so, dass ich kein Verständnis für den Grundgedanken dahinter hätte. Schließlich wollen wir ja alle gesunde und hübsche Kinder haben. Aber gibt uns das denn das Recht “unwertes” Leben vorzeitig zu beenden? Und wo fängt wertvoll an und wo unwert? Selbst wenn man da sehr enge Auslegungsgrenzen setzt, es wird immer wieder Möglichkeiten geben diese zu umgehen oder zu erweitern.
Wo geht das in Zukunft hin? Kommt irgendwann der Punkt, wo man ein Fötus aussortiert wird weil er genetisch nachgewiesen einer höheren Krebsgefahr ausgesetzt ist als der Durchschnitt der Bundesbürger? Oder geht das sogar dahin, dass irgendwann eben aussortiert wird, was die falsche Augenfarbe hat?
Und selbst wenn der Fötus genetisch erwiesen eine Behinderung hat, nehmen wir das Down-Syndrom, woher, zum Teufel, nehme ich mir das Recht zu entscheiden, dass dieses Leben nicht lebenswert ist? Ich will unbedingt ein Kind, nehme den schweren Weg der künstlichen Befruchtung auf mich und dann wird aber bitte auch nur eingepflanzt was nachgewiesen gesund ist?
So sehr das alles momentan auch verharmlost dargestellt wird, ich habe eine Heidenangst vor dem, was da noch auf uns zukommen kann!
Aber einer Sache bin ich mir sehr bewusst. Nämlich wie unendlich dankbar ich bin, dass ich selber zwei so tolle und gesunde Kinder habe.
Da fällt mir aber grade noch etwas ein, was mich irgendwie noch viel mehr erschreckt. Als mein Sohn auf die Welt kam, hatte er 6 Tage nach der Entbindung eine Hirnhautentzündung. Niemand wusste ob er überlebt und wenn ja, was für Folgen auftreten würden. 0,2 % der Kinder in dem Alter mit dem Krankheitsbild überleben ohne jegliche Folgen. Sebastian ist einer davon und ich bin so unendlich dankbar dafür. Aber selbst bei dieser düsteren Prognose damals, ich habe nicht den Bruchteil einer Sekunde darüber nachgedacht, ob es nicht besser wäre wenn er tot wäre. Nicht mal im Ansatz hatte ich einen solchen Gedanken. Und jetzt soll aufgrund Gentests entschieden werden können ob wertes oder unwertes Leben? Scheiße, wo bleibt denn da die Hoffnung und der Wille zur Hoffnung? Und wo der Mut?
Und vor allem, ich finde es ja ganz toll, dass man sich Gedanken macht, wie man genetisch schwere Behinderungen bei künstlichen Befruchtungen nachweisen kann und somit den werdenden Eltern die Chance auf Ja oder Nein gibt. Aber das ändert nichts daran, dass nach wie vor jeder Hinz und Kunz x Kinder auf natürlichem Weg in die Welt setzen kann und diese nach der Geburt sicher wesentlich schlechter dran sind, als ein Kind mit Behinderung es je sein könnte. Man erfindet sozusagen einen “Wunschkatalog” für Eltern aber eine Art Führerschein für selbige gibt es nicht.
Vielleicht bin ich naiv, vielleicht engstirnig, aber auf jeden Fall macht mir das eine Heidenangst!
Na ja, ich finde ja schon. In Maßen und im richtigen Kreis ist jammern durchaus ok. Darin sind wir Deutschen ja schließlich so richtig gut. Wir jammern gerne und vor allem, auf hohem Niveau. Aber irgendwann kommt der Punkt, an dem sollten wir uns überlegen, ob Gejammer der Situation angemessen ist.
So auch bei dem Bäcker, wo ich mir fast jeden Morgen mein Frühstück hole. Die Filialleiterin dort ist wirklich nicht zu beneiden. Viele krankheitsbedingte Ausfälle ihrer Leute, keine wirkliche Hilfe von der Zentrale und obendrein noch einen Mann zuhause, der ständig meckert weil sie so viel arbeitet. Woher ich das weiß? Naja, sie erzählt das alles jedem Kunden und jeden Morgen. Die ersten Male konnte ich noch Interesse und Mitleid glaubhaft bekunden. Immerhin muss ich nur 1x Butter zahlen, wenn ich 2x Brötchen mit Butter kaufe, da kann auch ich mal nett sein ^^
Aber spätestens ab dem 10x wird es anstrengend. Und ganz ehrlich? Wenn ich einen Job hätte, der mich so ankotzt und wo ich (meiner Meinung nach) derart ausgenutzt werde, dann sollte ich vielleicht, aber auch nur vielleicht, Bemühungen unternehmen, etwas anderes zu suchen. Aber nein, weit gefehlt. Lieber hängt man ja in seinem ach so großen Leid fest und jammert. Und hier, ja, genau hier ist der Punkt, wo es mir zu blöd wird. Wenn ich nicht bereit bin etwas zu unternehmen, dann ist der Leidensdruck nicht hoch genug. Und solange dem so ist muss ich doch bitte auch nicht allen Kunden ein Ohr mit der Geschichte abkauen, oder?
Obendrein habe ich auch noch ein minimal anderes Selbstverständnis. Ich sehe es als nicht wirklich passend an, Kunden mit derartigen Geschichten zu “belästigen”. Es ist nicht die Aufgabe des Kunden mich zu trösten sondern es ist meine Aufgabe, als Dienstleister, für das Wohlbefinden meiner Kunden zu sorgen. Und das erreiche ich nicht, wenn ich mein Leid auf die Schultern aller verteile.
Aber vielleicht bin ich auch nur zu wenig mitfühlend. Ach ja, und irgendwie will es mir auch nicht gelingen, mich am Leid anderer selbst aufzurichten. Wenn es hier in der Nähe einen anderen Bäcker gäbe, ich würde jedenfalls ernsthaft überlegen, zukünftig dort einzukaufen.
Ich will doch bloß Brötchen, sonst nichts!
Bin ich deshalb gleichgültig? Nein, denn ich kann nicht der gesamten Menschheit ihr “Leid” abnehmen. Ich höre mir sowas im Freundes oder Familienkreis an, aber nicht beim Bäcker, Fleischer, Friseur oder an der Tankstelle.
dann kann es unter Umständen daran liegen, dass man selbst einfach zu nett ist. Momentan geht mir jedenfalls langsam die Nettigkeit aus, wenn ich ständig dafür herhalten muss, die schlechte Laune anderer auszubaden. Ja, jeder von uns hat mal einen Scheißtag, jeder von uns hat Tage, da geht einem der Partner so richtig auf die Nerven und jeder hat Tage, an denen einfach alles schief läuft. Aber bitte, muss man das wirklich immer mit in den Beruf bringen und sich dort ein Ventil suchen? Und vor allem, muß das wirklich jeden einzelnen Tag so sein? O.o
Klar, wenn man ein gutes Verhältnis zu den Kollegen hat, dann hat man ja auch mal Mitleid oder Verständnis. Wenn aber jeder Tag zum Minenfeld wird, weil man eben nicht weiß, bei welchem Wort der Kollege in die Luft geht, dann macht das keinen Spaß mehr.
Vor allem dann nicht, wenn betroffene Person selber wohl genau weiß, warum er so scheiße drauf ist, aber keine Ahnung hat, wie er die Ursachen beheben soll, ohne dass es unbequem wird.
Und erzähle mir NIEMALS mehr jemand, Frauen seien zickiger als Männer. So zickig kann ich in meinem ganzen Leben nicht sein, wie mancher Kerl, wenn man ihm aus Versehen auf die Füße tritt.

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