Geht es nur mir so und ich bekomme Gänsehaut wenn ich die Diskussion um Gentests an Föten mitbekomme? Auch wenn es “nur” um Föten durch künstliche Befruchtung geht, Gänsehaut hab ich trotzdem.

Es ist nicht so, dass ich kein Verständnis für den Grundgedanken dahinter hätte. Schließlich wollen wir ja alle gesunde und hübsche Kinder haben. Aber gibt uns das denn das Recht “unwertes” Leben vorzeitig zu beenden? Und wo fängt wertvoll an und wo unwert? Selbst wenn man da sehr enge Auslegungsgrenzen setzt, es wird immer wieder Möglichkeiten geben diese zu umgehen oder zu erweitern.

Wo geht das in Zukunft hin? Kommt irgendwann der Punkt, wo man ein Fötus aussortiert wird weil er genetisch nachgewiesen einer höheren Krebsgefahr ausgesetzt ist als der Durchschnitt der Bundesbürger? Oder geht das sogar dahin, dass irgendwann eben aussortiert wird, was die falsche Augenfarbe hat?

Und selbst wenn der Fötus genetisch erwiesen eine Behinderung hat, nehmen wir das Down-Syndrom, woher, zum Teufel, nehme ich mir das Recht zu entscheiden, dass dieses Leben nicht lebenswert ist? Ich will unbedingt ein Kind, nehme den schweren Weg der künstlichen Befruchtung auf mich und dann wird aber bitte auch nur eingepflanzt was nachgewiesen gesund ist?

So sehr das alles momentan auch verharmlost dargestellt wird, ich habe eine Heidenangst vor dem, was da noch auf uns zukommen kann!

Aber einer Sache bin ich mir sehr bewusst. Nämlich wie unendlich dankbar ich bin, dass ich selber zwei so tolle und gesunde Kinder habe.

Da fällt mir aber grade noch etwas ein, was mich irgendwie noch viel mehr erschreckt. Als mein Sohn auf die Welt kam, hatte er 6 Tage nach der Entbindung eine Hirnhautentzündung. Niemand wusste ob er überlebt und wenn ja, was für Folgen auftreten würden. 0,2 % der Kinder in dem Alter mit dem Krankheitsbild überleben ohne jegliche Folgen. Sebastian ist einer davon und ich bin so unendlich dankbar dafür. Aber selbst bei dieser düsteren Prognose damals, ich habe nicht den Bruchteil einer Sekunde darüber nachgedacht, ob es nicht besser wäre wenn er tot wäre. Nicht mal im Ansatz hatte ich einen solchen Gedanken. Und jetzt soll aufgrund Gentests entschieden werden können ob wertes oder unwertes Leben? Scheiße, wo bleibt denn da die Hoffnung und der Wille zur Hoffnung? Und wo der Mut?

Und vor allem, ich finde es ja ganz toll, dass man sich Gedanken macht, wie man genetisch schwere Behinderungen bei künstlichen Befruchtungen nachweisen kann und somit den werdenden Eltern die Chance auf Ja oder Nein gibt. Aber das ändert nichts daran, dass nach wie vor jeder Hinz und Kunz x Kinder auf natürlichem Weg in die Welt setzen kann und diese nach der Geburt sicher wesentlich schlechter dran sind, als ein Kind mit Behinderung es je sein könnte. Man erfindet sozusagen einen “Wunschkatalog” für Eltern aber eine Art Führerschein für selbige gibt es nicht.

Vielleicht bin ich naiv, vielleicht engstirnig, aber auf jeden Fall macht mir das eine Heidenangst!