Man kennt das, irgendwo auf dieser Welt passiert mal wieder irgendwas. Ein wildgewordener Diktator in Libyen, Bürgerkriege/Aufstände in diversen anderen Ländern, Naturkatastrophen über und über. All dies macht uns kurzfristig betroffen nur um uns dann den Übergang in den eigenen Alltag wieder zu erleichtern. Immerhin geht es uns ja noch gut!
Aber wie ist das, wenn man auf irgendeine Weise doch persönlich betroffen ist, wenn auch nur peripher?
Genau diese Situation erlebe ich momentan durch die Katastrophe in Japan und ich gebe zu, es geht mir näher, als ich zugeben mag. Es ist noch gar nicht sooo lange her, da war ich in Tokio und hatte die Möglichkeit, mir auch mal ein wenig Touristenattraktionen anzuschauen. Ginza Street ist zwar mittlerweile schon sehr vertraut für mich und ich weiß, wo da Starbucks und McDonalds zu finden sind. Ich kenne H&M und weiß, wo ich gute Pizza essen kann. Asakusa habe ich auch kennengelernt und bin durch Gassen und Märkte geschlendert. Ich habe berühmte Plätze und Pflanzen dort gesehen und beheizte Toilettensitze kennengelernt. Aber viel wichtiger ist mir plötzlich, dass ich auch Menschen dort kennen gelernt habe. Arbeitskollegen, mit denen man immer wieder mal Kontakt hat. Ob das nun Menschen sind die man mag, hier denke ich besonders an eine Kollegin von mir, die im Administrativen Bereich arbeitet und immer hilfsbereit ist und ein unwahrscheinlich warmes Lächeln hat, oder Menschen, denen man nicht aufs Fell gucken kann. Ob das nun an Mentalität oder Persönlichkeit liegt, lasse ich mal offen ^^
Und auch wenn man versucht Abstand zu wahren, es gehen einem immer wieder Bilder dieser Menschen durch den Kopf und man fragt sich ständig, ob es irgendwann mal ein Wiedersehen geben kann. Für mich ist dadurch das Ganze irgendwie zu einer persönlichen Angelegenheit geworden die mich nicht wirklich zur Ruhe kommen lässt. Ich stelle fest, dass mir 35 Mio. Menschen näher kommen, nur dadurch, dass ich vielleicht zwei Dutzend davon persönlich kenne.
Was mich fasziniert, ist wie deutlich man die Mentalität der Japaner auch, oder gerade durch dieses Unglück erleben kann. Mal ganz ehrlich, diese stoische Ruhe und der unbedingte Wille zur Normalität zurückzukehren, ist erstaunlich und gleichzeitig befremdlich für mich. Meine japanischen Kollegen gehen jeden Tag in Tokio ins Büro und sorgen dafür, dass Versandpapiere und Ursprungszeugnisse beikommen und man versucht alles am Laufen zu halten. Wenn ich so nah an einem “kaputten” AKW wohnen würde, und man nicht mal sicher wüsste, ob es dort nicht zu einer Kernschmelze käme, wie egal wäre mir in dem Moment wohl mein Job? Ich würde wohl versuchen, meine Familie und mich in Sicherheit zu bringen egal ob ich dadurch Probleme bei einer ausländischen Tochterfirma verursachen würde.
Ich lerne es gerade, diese Ruhe und Gelassenheit zu bewundern, über die ich mich in so manchen Situationen früher geärgert habe.
An dieser Stelle beende ich dieses Posting und verkneife es mir, darüber zu philosophieren, was als Folge des Atomunglücks bei uns hier in Deutschland passiert. Denn die betroffenen Menschen in Japan haben es nicht verdient, dass man ihr Unglück banalisiert, indem man auf ihrem Rücken Wahlkämpfe austrägt! Das werde ich in einem separaten Posting behandeln ^^
Meine Gedanken sind bei Euch, liebe Kollegen in Tokio/Kitakata/Odate! Ich wünsche Euch die Kraft und den Mut, dies alles zu überstehen und wieder ohne Angst leben zu können.

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