Es gibt so Fragen, über die möchte man eigentlich gar nicht nachdenken. Und trotzdem begegnen sie einem immer wieder mal. So auch die folgende:
“Was würdest Du tun, wenn dies Dein letzter Tag wäre?”
Ich komme darauf, weil es da ein Lied gibt, welches eben genau diese Frage stellt. Da ich eben gerade versucht habe auf dem Laptop meines Chefs (welches japanisch ist, in Schrift und Programmen) seine Mails zu sichern und ein Backup zu erstellen und deshalb eh schon Kopfschmerzen habe, ist das obendrein genau die richtige Frage für den Moment ^^ Jedenfalls würde ich definitiv NICHT an irgendwelchen Laptops mit japanischen Schriftzeichen irgendetwas machen, das ist eins was sicher ist. Aber was genau würde ich denn tun?
Ich glaube, an oberster Stelle stünde für mich, den Menschen, die mir wichtig sind, noch einmal sagen zu können, wie viel sie mir bedeuten. Aber ich würde nicht wollen, dass irgendjemand weiß, dass es mein letzter Tag ist. Vielleicht ist das etwas, was für mich typisch ist, aber nur weil ich gehen müsste, würde es mir unglaublich widerstreben, andere damit zu belasten. Auch wenn sie mir vielleicht zur Seite stehen wollten. Da kommt dann die nächste Frage auf, wie egoistisch dürfte ich an meinem letzten Tag denn überhaupt sein?
Egoistisch genug um mein Schicksal für mich zu behalten? Oder egoistisch genug um es in die Welt zu posaunen? Was wäre denn nun egoistischer? Aber eigentlich steht es doch mir selber zu, zu entscheiden was ich an diesem Tag möchte, oder nicht?
Ich glaube, ich würde mich leise verabschieden wollen und nicht mit einem Paukenschlag. Aber wenn ich ganz ehrlich bin, ich würde es nicht mal wissen wollen! Für mich wäre das Schlimmste was einem passieren kann, wenn man genau wüsste, wann es zu Ende ist.
Lieber der Blitz aus heiterem Himmel, als das langsam aufziehende Unwetter. Ich glaube, dieser letzte Tag wäre voller Verzweiflung und Trauer und es gäbe nichts, was mich an einem solchen Tag glücklich machen könnte. Allein der Gedanke, dass alles, egal was ich tue, jetzt das letzte Mal war, würde mich zur Verzweiflung treiben. Für mich könnte man einen solchen Tag als die pure Hölle beschreiben und nichts, was danach käme, könnte noch schlimmer werden. Ich könnte ja nicht mal ein vorzeitiges Ende setzen, weil ich immer zu denen gehören werde, die hoffen. Und solange ich noch hoffen kann, atme ich und umgekehrt. Aber niemals möchte ich eine solche Hölle erleben müssen.
Trotz alldem kann ich solchen Gedanken auch noch etwas Positives abgewinnen. Denn sowas erinnert mich wieder daran, wie unglaublich wichtig es ist, jeden Tag so zu leben, dass man nichts zu bereuen hat. Dazu gehören für mich Kleinigkeiten. Nie im Streit trennen, weder von Freunden, noch von Kollegen oder Familie und erst Recht nicht vom Partner. Immer so nah wie möglich bei sich selbst bleiben, denn wer sich selbst verliert, der verliert auch den Bezug zu seiner Umwelt. Authentisch sein, denn wenn ich mich jeden Tag verstellen muss, dann ist das zu anstrengend und das Leben ist zu kurz für so einen Mist. Ach ja, aber auch Ballast abwerfen gehört dazu. Denn das Leben ist eh viel zu kurz um unnötige Ballast mit sich rumzuschleppen.
Aber das allerschönste an solchen Gedanken ist der Moment, in dem man vor die Tür geht, tief Luft holt und sich denken darf “Danke!”
Danke dafür. Leben zu dürfen, atmen zu dürfen und sich ärgern zu dürfen. Danke dafür, auch Schmerz empfinden zu dürfen. Denn nur wenn man die Tiefs kennt, kann man die Höhen richtig schätzen.
Und ja, ich bin unglaublich dankbar dafür leben und lieben zu dürfen!
Letzte Kommentare